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Bericht: Norraker 2008

Schlittenfahren in Norraker

Text: Hans Molcik (www.hsmhusky.com)
Fotos: Bos Teunis, Gergette van der Berg



Am Dreiländereck der Schwedischen Provinzen Jämtland, Lappland und Angermanland liegt Norraker als letzter Ort vor der Wildnis mit Asphaltstrasse, Campingplatz, Supermarkt und Tankstelle. Karlernst Hauser ist gemeinsam mit seinen Hunden im Jahr 2005 dort hin gezogen, hat die tollen Bedingungen zum Schlittenfahren in dieser Gegend kennen gelernt und auch uns vermittelt.
Ein idealer Grund dort Urlaub zu machen war das Rennen „Beaver Trap Trail“, das vom 27.bis 29.03.2008 stattfand. Nur für dieses Rennen wäre die Anreise doch ein wenig zu weit, daher wurde die Idee geboren, anschließend eine geführte 4-Tages Tour in die angrenzenden Berge des Borga Fjells zu veranstalten.
Geplant war, dass Susanne und ich mit allen Hunden hochfahren, doch leider hat einer meiner Hunde den leider noch immer erforderlichen Nachweis an Antikörper gegen Tollwut nicht geschafft und so machte ich mich mit vier Hunden alleine auf den Weg.
Die Anreise nach Norraker wird von harten Burschen die sich am Steuer abwechseln auch schon in zwei Tagen bewältigt, als Pensionist mit gemütlichem Wohnmobil lässt man sich dabei jedoch mindestens vier Tage Zeit. In Mora gab es dann eine unliebsame Überraschung: Bei einem Anhängerrad war das Reifenprofil bis zum Drahtgewebe abgerieben und das am Ostermontag. Ich suchte mir zum Übernachten einen Parkplatz mit den einladenden, roten Kreuzen eines Skooterleden, spannte meine Hunde vor den Schlitten und fuhr mit ihnen eine schöne Runde. Am nächsten Tag war es dann gar nicht einfach, zu dieser Jahreszeit in dieser Gegend einen Reifen ohne Spikes zu bekommen. Nach 200 km Fahrt und vier Werkstätten war das reparierte Rad wieder am Anhänger und ich bei meinen Hunden. Ohne weitere Zwischenfälle erreichten wir dann auf schneefreier Strasse Norraker.

Beaver Trap Trail

Die Ausrüstung für zwei Biwaknächte zusammenstellen, Schlitten packen, auspacken, die Ausrüstung überprüfen, da zu viel, zu schwer, Schlitten packen, da Wichtiges nicht mit, Schlitten pa.....Letztlich hatte ich dann doch die Teebeutel und den Zucker fürs Frühstück und für die Thermosflasche vergessen. Aber man hat Gott sei Dank Musherkollegen, die einem aushelfen.

27.03.08. Am nächsten Tag ging es dann ab 10 Uhr los. Teun und ich hatten in der Tourenklasse gemeldet und daher freien Startzeitpunkt. Bald nach den Rennteilnehmern machte ich mich auf den 41 km langen Trail zum Saxvattnet, wo unser Biwakplatz war, für meine vier Hunde (Kiruna ist 11 Jahre alt) mit der schweren Ausrüstung (na ja, die Teebeutel waren eh nicht dabei) eine respektable Aufgabe. Eine herrliche Schlittenfahrt auf dem in der Sonne glitzernden Schnee, durch Fichtenwälder, über Hochflächen mit schütterem Birkenbestand, über zugefrorene Bergseen…. Herz was willst du mehr.
Ich erreichte unser Tagesziel, den Saxvattnet und bald kam auch Teun, der viel später gestartet war. Wir stellten das Zelt auf und machten uns über die von ihm mitgebrachte Astronautennahrung. Mit einer traumhaften Nordlichtvorstellung am späten Abend klang dann der Tag aus. Die Nacht war kalt, aber mit meinem Riesenschlafsack und der dicken Therma-Rest-Matte bequem zu überstehen.

28.03.08. Blauer Himmel, die Rennklasse hatte 52 km zu absolvieren und wir (insgesamt sieben Gespanne der Tourenklasse) fuhren mit Teun einen 25 km langen Trail, der dem Baeverleden weiter bis zum Beginn des Dabbsjön folgte und den er vom Vorjahr kannte. Die Skooterfahrer hatten unbekannter Weise für uns gute Arbeit geleistet, die schwere Ausrüstung war im Biwak geblieben und die Hunde waren kaum zu bremsen. Am Abend gab es eine Fleischsuppe, die Lena (die Frau vom Veranstalter Rickard) für alle Musher gekocht hatte und die sicher Tote zum Leben erweckt hätte (Gott sei Dank gab es genug Nachschlag).

29. 03.08. Der Himmel war grau, das Wetter ansonsten aber angenehm. Am Saxvattnet gab es einen Massenstart der Rennklasse. Jeder wusste nach der langen Distanz seine ideale Startposition und so war das eher ein diszipliniertes Losfahren als ein wilder Positionskampf.
Dann machten auch wir uns auf die Kufen. Die Hunde fragten mich, warum der Schlitten auf einmal wieder so schwer ist und sagten mir, ich solle gefälligst ordentlich mithelfen. Vor einer längeren Steigung wartete Teun auf mich und machte mir so den Anstieg leichter. Dann ging es noch einmal recht zäh voran, aber vor Norraker erkannten meine Hunde den Trail wieder und gaben noch einmal (etwas) Gas. Zieleinlauf auf der Hauptstrasse von Norraker, Jahrmarktsbuden und Pfannkuchen mit Speck und Preiselbeeren beendeten dieses schöne Rennen. Am Abend war dann noch das Musherdinner und gemütliches Beisammensein bei Lena im Restaurant. Bei einer Tombola gewann ich dort mit meiner Startnummer einen schönen Paniksnap.



Die Borga Tour

01.04.08. Nach zwei Rasttagen für die Hunde (und den Musher) starteten wir zur Borga Tour. Wir, das sind unsere beiden Guides Rickard und Gerd und die Teilnehmer Grietje, Rick, Bert-Jan, mit ihren Malamuten, Eugen unser Rookie, Teun und ich. Wir fuhren mit den Autos ca. 70 km bis zum Ende aller Strassen nach Härbergsdalen wo wir unsere Gespanne startfertig machten.
Rickard fuhr mit acht Siberian Huskies und Gerd mit sieben Alaskans. Teun hatte zu seinen fünf Sibiriern noch einen und ich zu meinen vieren noch zwei Hunde von Rickard für die Tour gemietet. Grietje hatte auch zwei zur Verstärkung ihrer Malamuten im Lead und war damit auch die schnellste der Malamut-Musher. Rick fuhr mit vier Malamuten und Bert-Jan mit sieben. Eugen hatte keine eigenen Hunde mit und daher fünf Sibirier von Rickard im Gespann.
Die Tagesetappe war ca. 36 km lang und führte uns bei Traumwetter über den Härbergsvattnet zur Sielkentlakkstuga. Weiter ging es über den Friningensee wo wir zusammen warteten. Die acht Gespanne gaben aneinander gereiht einen imposanten Anblick. Gerd, Teun und ich fuhren voraus und Rickard mit der übrigen Mannschaft nach. Nach dem Saljarensee und den Ullersjön gab es dann eine flotte Abfahrt nach Ankaredekapell. Noch ein kurviges Auf und Ab und wir erreichten unser Nachtquartier, eine aufgelassene Schule bei Dalhem. Das leckere Abendessen für alle wurde vom 3 km entfernten Dorf gebracht. Wir ließen es uns schmecken und stießen mit Rotwein auf Teuns Geburtstag an. Anschließend gingen wir in die Sauna (ja auch so was gibt es in den schwedischen Schulen). Das Klassenzimmer wurde dann mit Schaumstoffmatratzen zum Schlafsaal umfunktioniert.
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02.04.08. Rickard bereitete uns ein Frühstück mit Kaffee, Brot und reichlich Beilagen. Wer es wünschte, konnte sich für die Fahrt einen Snack machen, Nüsse und Schoko gab es für alle. Dann ging es das kurvige Ab und Auf zurück nach Ankaredekapell. Vorher noch einen kurzen Verhauer durch zu frühes links abbiegen. Rick und Bert-Jan sind dann später anscheinend unseren Spuren gefolgt, weiteten die Variante jedoch auf 8 km aus, aber Rickard hatte (Handy sei Dank) bald wieder alle Schäfchen beisammen. Der Trail führte über den Lejaren- und Värjarensee in den baumlosen Fjell und bot bei blauem Himmel eine herrliche Aussicht. Bald kamen der Raukasjön und unser Tagesziel Raukasjö in Sicht. Noch eine rauschende Abfahrt und ein Stück über den See und wir waren nach ca.33 km zu Hause. Stake out für die Hunde, duschen in der komfortablen Stuga und Abendessen im angeschlossenen Restaurant. Das alles mitten in der Wildnis und nur für uns (die Scooterfahrer, die am gegenüber liegenden Ufer im Eis fischten, waren am Abend alle verschwunden).

03.04.08. Der Trail führte an diesem Tag über ca. 52 km, der Himmel war bedeckt, es gab aber weder Wind noch Niederschlag. Die ersten paar km fuhren wir zum Ende des Raukasjön und dann durch ein flaches Tal und im weiten Bogen in die Nähe einer Strasse. In kurviger Abfahrt, die Eugen sicher einige Schweißperlen gekostet hatte, erreichten wir eine Stelle, an der wir über eine apere Brücke zum Leipikvattnet mussten. Teun und ich fürchteten um unsere Beläge und trugen mit vereinten und Gerds Kräften die Schlitten zur Fortsetzung des Trails. Über den See ging es dann weiter zum Ankarvattnet und über diesen, diesmal von der anderen Seite zu unserer gestrigen Variante. Da die Richtung diesmal stimmte, brauchten wir nicht umzukehren und weiter ging es – richtig geraten - Auf und Ab zur Schule, Essen aus dem Dorf, Sauna, Schlafsaal.

04.04.08. Bei bewölktem Himmel fuhren wir die 36 km des ersten Tages zurück nach Härbergsdalen. Die flotte Abfahrt hatte sich inzwischen zu einem veritablen Anstieg gemausert und am Friningensee stand eine drohende Sturmwolke am Himmel. Der Sturm war dann Gott sei Dank nur ein Wind aber der kam mir dummerweise entgegen. Ich verschanzte mich hinter dem Tower und ermahnte die Hunde, den Abstand zu Gerd und Teun nicht zu groß werden zu lassen. Die beiden warteten auf mich und weiter ging es in flotter Fahrt zum Auto in Härbergsdalen. Hunde wässern, Bier trinken und zurück vom Ende aller Strassen zum Asphalt Norrakers.
Am Abend war dann in Lena und Rickards Restaurant unser Elchstake-Abschluß-Dinner und die Borga Tour endgültig Geschichte.

Ich sitze hier im Wohnmobil am Ufer des Tasjön, schaue meinen Hunden zu, die ihre Extraportion Futter und ihre Boxen genießen und denke an die vergangenen schönen Tage. Den Mushern, die das Schlittenfahren genießen wollen, aber auch (eine kleine) Herausforderung suchen, kann ich diese beiden Veranstaltungen nur empfehlen.

Hans Molcik

Information (Preise 2008):

Anreise:
Fähren (PKW oder Wohnmobil mit Anhänger über 6m unter 9m)
Rostock – Trelleborg ab € 120.-
www.ttline.com
Rostock – Gdtser + Helsingör - Helsingborg Kombiticket € 165.-
www.scandlines.de
Puttgarden – Rodby + Helsingör – Helsingborg Kombiticket € 140.- www.scandlines.de
Dieselpreis in Schweden ca. € 1,42
Reiseroute Trelleborg, Jönköping, Mora und Hoting (ca. 1280 km)
Oder besser bei Schneelage über Stockholm, Sundsvall (ca.1410 km)

Quartier:
Camping € 11.- ( 16,50 mit Strom)

Gästehaus mit Wohnraum, Küche, Bad €27,50
Stuga mit 4 Betten € 38,50

Beaver Trap Trail :
www.ot-utpost.se/BeaverTrapTrail
Rennen ca. € 55.-
Tour ca. € 33.-

Borga Tour:
4 Tage Führung, Unterkunft, Verpflegung und Abschlußbankett ca.€ 320.-
Leihhund ca. € 9.- je Tag